ÜBER DIESE EPISODE:

In Episode 002 des RocketEngineers Podcasts haben wir mit Dr.-Ing. Andreas Roderburg gesprochen. Andreas ist Bereichsleiter für Forschung und Entwicklung bei Saint-Gobain am Standort Herzogenrath. Saint-Gobain ist eine französische Firma mit 180.000 Mitarbeitern und einem Umsatz von 40,8 Mrd. Euro, die in der Produktion von Flachglas, Baustoffen, Industriekeramiken und Hochleistungskunststoffen aktiv ist. Ebenfalls bekannt ist das Tochterunternehmen Saint-Gobain Sekurit, ein Automobilzulieferer für funktionale Verglasungen, dessen Windschutzscheiben heutzutage in einer Vielzahl der Autos eingebaut sind, die uns täglich auf der Straße begegnen.

Andreas hat an der RWTH Aachen Maschinenbau studiert und am Werkzeugmaschinenlabor der RWTH Aachen seine Promotion zum Dr.-Ing abgeschlossen. Während seiner Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter leitete er zudem die Forschungsgruppe Technologieplanung, in der ich heute tätig bin. Den Sprung in die freie Wirtschaft machte Andreas anschließend als Global Customer Quality Manager bei Philips Lighting. Anschließend fungierte er als General Manager F&E bei Vossloh-Schwabe Lighting Solutions, einem Tochterunternehmen von Panasonic. Nach einer gewissen Zeit in der Ferne wechselte Andreas als Portfoliomanager und Abteilungsleiter zu Saint-Gobain, was ihn wieder zurück nach Aachen führte, wo er jetzt als Bereichsleiter für Forschung und Entwicklung tätig ist.

WAS IST EINE ERFOLGREICHE KARRIERE?

Für Andreas ist eine Karriere dann erfolgreich, wenn sie zwei Bedingungen erfüllt. Einerseits sollte man mit der Situation und seinem Aufgabenbereich zufrieden sein, so wie er aktuell ist. Andererseits sollte man sich stetig weiterentwickeln und die selbst gesteckten Ziele erreichen. Was im ersten Moment gegensätzlich wirkt, lässt sich eigentlich auf einen Punkt runterbrechen, den wir im letzten Interview mit Matthias Brockmann bereits besprochen haben. Das Setzen richtiger Ziele. Karriereziele müssen so gesetzt werden, dass sie einen antreiben sich weiterzuentwickeln. Das ist relativ klar. Sie müssen aber so auch gesetzt werden, dass sie zu Positionen führen, mit denen man zufrieden ist und genau hier liegt die Herausforderung. Es bringt also nichts sich das Ziel zu setzen in 5 Jahren 100 Mitarbeiter zu Führen und 250.000 Euro zu verdienen, wenn ich mit der Rolle und den Tätigkeiten, die ich dafür ausführen muss, nicht glücklich bin. Für eine erfolgreiche Karriere ist also wichtig, mit der Gegenwart zufrieden zu sein, aber auf die Zukunft hinzuarbeiten.

DIE HACKS AUS DIESER EPISODE:

Als ich Andreas gefragt habe, wann und aus welchen Gründen es dazu kommt, dass er als Mentor oder Förderer für Mitarbeiter auftritt, hat sich schnell herauskristallisiert, dass dafür kein fester Kriterienkatalog aufgestellt werden kann. Trotzdem hat Andreas deutlich gemacht, dass Mitarbeiter für eine aktive, persönliche Förderung selektiv ausgewählt werden. Diese Auswahl erfolgt beispielsweise danach, ob die Förderung eines Mitarbeiters auch dazu führt, dass der Förderer sich in gewissen Art und Weise ebenfalls weiterentwickelt. Das passiert immer dann, wenn der geförderte Mitarbeiter einen Impact für das Unternehmen bringt, bzw. er das Gesamtbild oder das Ziel der Abteilung vor Augen hat und zu diesem aktiv beiträgt. Obwohl es keine festen Kriterien gibt, wie man Förderer oder Mentoren auf seine Seite zieht, lässt sich aus den Ausführungen von Andreas ein erster wertvoller Hack herausziehen.

HACK#1:
Nimm dich ganz konkret einer spezifischen Aufgabe an und zeige dadurch, dass du für die Abteilung bzw. deine/n Vorgesetzte/n einen Mehrwert bieten kannst. Halt dir das übergeordnete Ziel deiner Abteilung vor Augen und schau dich immer wieder um, wie du zur Erreichung dieses Ziels beitragen kannst. So schaffst du eine Win-Win-Situation zwischen dir und deinem Vorgesetzten, die dazu beiträgt deinen Vorgesetzten als Förderer und Mentor für deine Karriere zu gewinnen.

Wir kennen es wohl alle. Der Tag hatte mal wieder zu wenig Stunden und obwohl wir durchgehend beschäftigt waren, haben wir von den wichtigen Dingen viel zu wenig geschafft. Das liegt einerseits an der Priorisierung von Aufgaben und andererseits an der fehlenden Disziplin fokussiert und konzentriert zu arbeiten. Um das zu vermeiden, nutzt Andreas ein Prioboard, auf dem er Aufgaben nach Wichtigkeit und Dringlichkeit sortiert (auch Eisenhower Matrix/Methode genannt). Zusätzlich nutzt er unterschiedliche Ansätze wie Blocker im Kalender, ein Kanban-Board oder die klassischen Zettel, um sich zu organisieren und so dafür zu sorgen, dass er seine Zeit effizient einsetzt. Dabei ist Andreas davon überzeugt, dass eine gute Organisation Disziplin erfordert. Wie stark man organisiert und strukturiert ist, kann phasenweise schwanken. Aber um effizient zu arbeiten und einen überdurchschnittlichen Output zu generieren ist es wichtig, sich immer wieder diszipliniert dazu zu bewegen Aufgaben zu priorisieren und genügend Raum zu schaffen, um diese Aufgaben effektiv anzugehen. Genau darauf zielt der zweite Hack aus unserem Gespräch ab.

HACK#2:
Für eine überdurchschnittlich steile Karriere müssen wir auch überdurchschnittlich performen und dazu braucht es eine gute Selbstorganisation. Ordne deine aktuellen Projekte, Aufgaben oder Ziele nach ihrer Wichtigkeit und Dringlichkeit und verschaff dir so einen Überblick. Aktualisier diese Darstellung stetig und orientier dich an ihr. Sorge durch zusätzliche Strategien wie Blocker im Kalender oder Homeoffice dafür, dass du immer genug Kapazität und Zeit hast, um die wichtigen Aufgaben zu erledigen und das am besten, bevor sie dringend werden.

„If you can’t measure it, you can’t improve it” ist ein berühmtes Zitat von Peter Drucker, einem Pionier der modernen Managementlehre. Der Gedanke hinter dem Zitat passt perfekt zu der Aussage von Andreas, dass es enorm wichtig ist, sicher immer wieder Feedback von anderen einzuholen. Wir wollen unsere Karriere ja „verbessern“ und dazu müssen wir vorerst wissen, wo wir aktuell stehen. Aber nicht nur das. Auch die eigenen Stärken und Schwächen werden von uns selbst in der Regel anders wahrgenommen als von anderen. Genau hier liegt das große Potenzial von Feedback. Außenstehende ermöglichen uns eine andere Sichtweise auf uns selbst und helfen dabei bei der Reflexion der eigenen Karriere und Leistung. Genau diese stetige Selbstreflexion sieht Andreas als wichtigen Faktor, um sich selbst weiterzuentwickeln und sich so für höhere Positionen in einem Unternehmen zu qualifizieren. Das Einholen von Feedback anderer ist demzufolge der dritte Hack aus unserem Gespräch.

HACK3:
Hol dir stetig Feedback von anderen ein, um dich selbst besser reflektieren und weiterentwickeln zu können. Trau dich einfach und sprich einen Kollegen oder deine/n direkte/n Vorgesetzte/n an und frag nach Feedback. Wichtig dabei ist, dass du nicht nach einem allgemeinen Feedback fragst, sondern konkreter wirst, um auch konkrete Antworten zu bekommen, aus denen man Maßnahmen ableiten kann. Frag beispielsweise nach Feedback zu deiner Arbeitsweise, deinem Umgang mit Kunden und Partnern oder deiner Selbstdarstellung in Meetings und Präsentationen.

IN DER PAUSE:

In der Pause unseres Gespräches mit Andreas haben wir uns mit der Eisenhower Methode, manchmal auch Eisenhower Matrix oder Eisenhower Prinzip genannt, beschäftigt, die Andreas indirekt beim Thema Selbstorganisation angesprochen hatte. In dieser Methode gliedert man seine Aufgaben, Projekte oder Ziele nach ihrer Wichtigkeit und Dringlichkeit. Aus den Kombinationen wichtig, nicht wichtig, dringend und nicht dringend ergeben sich so vier Felder einer Matrix. Das Ziel ist es, seine Tätigkeiten in der Matrix einzuordnen und diese Matrix im Verlauf der Zeit stetig zu aktualisiere, sodass man aus der Matrix ableiten kann, mit welchem Projekt, welcher Aufgabe oder welchem Ziel man sich vorrangig beschäftigen sollte. Ein großes Problem ist nämlich, dass wir uns viel zu stark mit dringenden, aber nicht wichtigen Aufgaben aufhalten, sodass wichtige und nicht dringende Aufgaben solange nicht bearbeitet werden, bis sie dringend sind. Dann haben wir in der Regel nicht mehr genug Zeit, um diese wichtigen Aufgaben wirklich gut zu erledigen. Die Eisenhower Methode ist demzufolge eine Art Produktivitätstool, dass uns dabei unterstützt, uns auf die wirklich wichtigen Tätigkeiten zu konzentrieren. Probiere es mal aus. Zeichne dir die Matrix auf, sortiere deine Projekte, Aufgaben und Ziele ein, häng sie in dein Büro und leite dann ab, worauf du dich aktuell vorrangig konzentrieren solltest. Nach circa zwei Wochen solltest du die Matrix aktualisieren und erneut festlegen, worauf du dich in der nächsten Zeit fokussierst. Eine ausführliche Erklärung zur Eisenhower Methode findest du hier.

UMSETZUNG

Am Ende unseres Gesprächs habe ich Andreas gefragt, was man in seinem Berufsleben direkt Morgen anders machen kann, um seine Karriere auf die Erfolgsspur zu lenken.

  1. Hol dir Feedback ein und reflektier dich selbst. Trau dich. Sprich Kollegen und Vorgesetzte an, frag sie nach konkretem Feedback und leite daraus Maßnahmen ab.
  2. Such dir ein Team, in dem ihr euch gegenseitig unterstützt. Ein Team entsteht nicht von selbst und muss nicht aus deinen direkten Kollegen bestehen. Schau dich morgen auf der Arbeit um, wer ähnlich tickt wie du und vernetz dich mit diesen Personen, um über Themen wie Karriere zu sprechen und euch gegenseitig zu helfen.

Das war die Zusammenfassung des Gesprächs mit Dr.-Ing Andreas Roderburg. Ich selbst habe einiges gelernt und sogar schon angewendet, bevor ich mit dem Schnitt der Episode fertig war. Ich hoffe, du konntest ebenfalls einiges für deine Karriere mitnehmen. Welche Themen haben dich aus welchem Grund am meisten interessiert und worauf hätten wir genauer eingehen sollen? Wir befinden uns mit RocketEngineers noch ganz am Anfang unserer Reise und sind daher auf dein Feedback angewiesen, um von Episode zu Episode besser zu werden. Ich würden mich daher freuen, wenn du ein Feedback dalassen würdest oder diesbezüglich mit mir in Kontakt tritts.