ÜBER DIESE EPISODE:

Dieses mal hatten wir Dr. Christoph Nobel, Leiter der Geschäftseinheit Rohrwellen bei Mubea zu Gast. Mubea ist ein Automobilzulieferer mit dem Schwerpunkt Leichtbau. Mit ca. 15.000 Mitarbeitern erwirtschaftet Mubea jährlich einen Umsatz von 2,4 Milliarden Euro. Der Hauptsitz des Unternehmens liegt in Attendorn, einer kleinen Stadt in der schönen Eifel.

Christoph hat an der RWTH Aachen Maschinenbau studiert und seine Masterarbeit an University of California Berkeley geschrieben. Danach hat er am Werkzeugmaschinenlabor der RWTH promoviert und ist anschließend als Assistenz der Geschäftsführung bei Mubea eingestiegen. In seiner Assistenzzeit hat er einiges gelernt, was ihn dafür qualifizierte, die Leitung über ein gesamtes Werk zu übernehmen. Nach einer gewissen Zeit als Werksleiter hat Christoph dann den nächsten Schritt gemacht und nicht nur die Leitung über ein Werk, sondern über das gesamte Geschäftsfeld Rohrwellen übernommen.

WAS IST EINE ERFOLGREICHE KARRIERE?

Zwar ist die konkrete Frage nach der Definition einer erfolgreichen Karriere in unserem Gespräch dieses mal nicht gefallen, aber aus Christophs Aussagen lassen sich trotzdem einige Punkte ableiten, die für ihn im Job wichtig sind. Einerseits ist es ihm wichtig, sich in seinem Beruf aktiv einbringen zu können und den Erfolg des Unternehmens mitzugestalten. Andererseits ist es für ihn auch wichtig, die richtige Balance zwischen Arbeit und Privatleben zu finden und diese auch immer wieder erneut auszuloten. Hinter den Kulissen hat Christoph mir zusätzlich verraten, dass es ihm häufig ein Grinsen ins Gesicht zaubert, wenn er durch die Straßen läuft und die vielen Autos sieht, von denen er weiß, dass diese Teile verbaut haben, die unter seiner Führung bei Mubea produziert wurden.

DIE HACKS AUS DIESER EPISODE:

Was braucht es, damit der oder die Vorgesetzte einen befördert oder zu einer höheren Position verhilft? Die erste Voraussetzung ist, dass dieser Person bekannt ist, dass du Interesse daran hast, eine Führungsposition einzunehmen. Aber das ist nicht alles. Christoph hat uns verraten, dass es als Vorgesetzter sehr wichtig ist, die Personen gut einschätzen zu können, bevor man diese für eine höhere Position vorschlägt. Weiter hat er uns verraten, dass Empathie, also eine gewisse soziale Kompetenz, und auch die Fähigkeit mit Druck umzugehen, wichtige Kernkompetenzen darstellen, nach denen er bewertet, ob ein Mitarbeiter für eine Führungsposition geeignet ist oder nicht. Wichtig ist, dass Fachexpertise alleine bei Weitem nicht ausreicht, um sich für eine Führungsposition zu qualifizieren. Was bedeutet das konkret für uns?

HACK#1:
Kommuniziere offen, dass du gerne mehr Verantwortung und eine Führungsposition übernehmen möchtest. Stell dabei sicher, dass du deiner Vorgesetzten eine ausreichende Bewertungsgrundlage zur Verfügung stellst, damit diese entscheiden kann, ob du bereits für eine Führungsposition geeignet bist. Überleg dir, wie du in deinem Arbeitsalltag zeigen kannst, dass du neben deiner fachlichen Expertise auch soziale Kompetenzen und die Fähigkeit mit Druck umzugehen besitzt. Halte auch einen Plan bereit, wie du deinem Vorgesetzten dies in einem Gespräch vermitteln kannst.

Als ich Christoph gefragt habe, wie er sich organisiert und dabei impliziert habe, dass er ja sicher nicht auf alle E-Mails antworten würde, die er über den Tag so bekommt, habe ich eine unerwartete Antwort bekommen. Christoph beantwortet alle seine E-Mails und empfindet es als Zeichen schlechter Organisation, dazu nicht in der Lage zu sein. Darauf hin hat sich mir die Frage aufgedrängt, ob das Beantworten dieser E-Mails dann nicht häufig am Abend oder Wochenende passiert und wie er es schafft, nicht zu viel Arbeit mit nach Hause zu nehmen. Gibt es dafür es dafür vielleicht ein festes Vorgehen oder eine Gewohnheit, an die man sich systematisch halten kann? Christoph hat kein festes Vorgehen und mir ist auch keine allgemeingültige Gewohnheit bekannt, die einen davor schützt zu viel Arbeit mit nach Hause zu nehmen, aber Christoph konnte uns trotzdem zwei wichtige Punkte nennen, um seine persönliche Work-Life-Balance zu finden.

HACK#2:
Überlege für dich selbst klare Grenzen für deine Arbeitszeit und beschäftigte dich aktiv damit, wie du es schaffst, deinen Kopf nach der Arbeit auszuschalten. Es gibt immer genug zu tun und immer genug dringende Sachen, weshalb wir doch noch länger auf der Arbeit bleiben könnten oder doch den Laptop am Sonntag noch einmal an machen. Das ist auch völlig in Ordnung, so lange die Arbeitszeit deine persönlichen Grenzen nicht überschreitet. Daher musst du diese persönlichen Grenzen für dich selbst erst einmal festlegen und dann rigoros einhalten. Das zwingt dich übrigens auch dazu deine Zeit effizienter zu nutzen. Weiterhin ist es wichtig, dass du für dich individuell herausfindest, wie du deinen Kopf nach der Arbeit am besten ausschaltest. Dazu musst du dich aber aktiv mit dieser Frage beschäftigen. Setze dir klare Grenzen für deine Arbeitszeit und finde heraus, wie du nach der Arbeit am besten abschalten kannst.

Christoph hat sehr jung eine hohe Führungsposition eingenommen, was dazu führt, dass er häufig Mitarbeiter führt, die wesentlich älter und damit auch erfahrener sind als er. Das bietet natürlich ein enormes Konfliktpotenzial. Um keine Konflikte aufkommen zu lassen ist es wichtig, sich anderen Mitarbeitern gegenüber empathisch zu verhalten und jegliche Form von Arroganz abzulegen. Was einfach und selbstverständlich klingt, ist häufig gar nicht so einfach. Christoph hat uns ein schönes Beispiel von seinem Vorgesetzten, dem Geschäftsführer von Mubea, mit auf den Weg gegeben. Dieser hat mit Christoph zusammen ein Werk in China besucht, in dem zu diesem Zeitpunkt auch zwei Produktionsmitarbeiter von Mubea aus Deutschland zur Unterstützung tätig waren. Was Christoph dann sehr beeindruckt hat, war, dass sein Vorgesetzter, obwohl es schön spät war und die beiden Produktionsmitarbeiter bereits das ein oder andere Bier getrunken hatte, aktiv auf diese zugegangen ist und sich bis spät in die Nacht auf weitere Biere dazugesellt hat. Aus diesem Moment hat Christoph unglaublich viel gelernt, was in unserem dritten Hack zusammengefasst ist.

HACK#3:
Als junge/r karriereorientierte/r Ingenieur/in ist es von enormer Bedeutung, jeden anderen Mitarbeiter, vom Praktikanten über Reinigungskräfte bis zum CEO mit dem gleichen Respekt zu behandeln und jegliche Form von Arroganz abzulegen. Mach dir dies immer bewusst, denn häufig kommt es dazu, dass wir unbewusst und ungewollt ein Verhalten an den Tag legen, dass als arrogant verstanden werden kann. Achte im Umgang mit anderen Mitarbeitern aktiv darauf, diesen unabhängig von ihrer Position mit Respekt und Empathie zu begegnen.

UMSETZUNG:

Aus Christophs täglichem Berufsleben lässt sich ein sehr hilfreicher Umsetzungstipps ableiten:

  1. Verwandle die Fahrzeiten zwischen deinem Zuhause und der Arbeit zu produktiv genutzter Arbeitszeit, indem du diese Zeit aktiv für Telefonate oder das durchdenken von Sachverhalten, die wohl durchdacht werden müssen, einplanst.

Das waren die Hacks aus dem Gespräch mit meinem ehemaligen Chef und dem aktuellen Leiter des Geschäftsfelds Rohrwellen bei Mubea. Wenn du mehr erfahren willst, dann folge RocketEngineers auf LinkedIn.