ÜBER DIESE EPISODE:

In Episode 009 hatte ich das Vergnügen mit Dr. Michael Terhorst zu sprechen. Michael leitet das Tech Center von Carcoustics in Nordamerika oder genauer gesagt in Michigan. Carcoustics ist ein Automobilzulieferer mit ca. 2.700 Mitarbeitern und Hauptsitz in Leverkusen. Im Tech Center ist Michael für ca. 35 Mitarbeiter verantwortlich.

Studiert hat Michael Maschinenbau an der RWTH Aachen, wo er auch noch ein Zusatzstudium in Betriebswirtschaftslehre draufgelegt hat. Nach der anschließenden Zeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter und der Promotion zum Dr.-Ing wurde Michael dann von einem Headhunter kontaktiert, woraufhin er als Assistent der Geschäftsführung bei Carcoustics in Leverkusen eingestiegen ist. Bereits am Anfang war jedoch klar, dass die Assistenzstelle als eine Art Sprungbrett in eine Führungsposition dienen sollte und er im Zuge seiner Karriere bei Carcoustics im Ausland eingesetzt werden würde. Ob China oder die USA war dabei noch unklar. Letztlich ging es für ihn dann in die USA zum Tech Center von Carcoustics, welches er aktuell als COO leitet. Zurück nach Deutschland zieht es ihn allerdings selten, da auch seine Familie in den USA heimisch geworden ist.

WAS IST EINE ERFOLGREICHE KARRIERE?

Wenn man Karriereerfolg in messbaren Größen angeben müsste, würde Michael sagen, dass Erfolg mit dem Gehalt und dem Einflussbereich korreliert. Für Michael war es schon immer interessant Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen mitzugestalten. Was hart klingt, relativiert sich wieder, wenn man zusätzlich versteht, dass Spaß an dem was man in seinem Berufsalltag tut, für Michael eine Grundvoraussetzung für eine erfolgreiche Karriere ist. Wenn diese allerdings gegeben ist, lässt sich Karriereerfolg durchaus in monetären Dingen und dem persönlichen Einflussbereich messen, wenn das für einen persönlich relevante Kriterien sind. Hat man allerdings keinen Spaß an seiner Arbeit, da ist sich Michael sicher, fehlt die Motivation, damit die Produktivität und dadurch letztlich zwangsläufig der Erfolg.

DIE HACKS AUS DIESER EPISODE:

Ein blitzblanker Schreibtisch, ein perfekt sortiertes E-Mail Postfach oder ein sauber durchgetakteter Kalender auf dem PC, dem Laptop, dem Tablet, dem Smartphone und der Smartwatch – was beeindruckend wirkt, muss nicht zwangsläufig genauso beeindruckend funktionieren. Michael hat sich oft vorgenommen seinen Schreibtisch ordentlicher zu halten und von der Zettelwirtschaft zu befreien oder sein E-Mail Postfach stärker zu strukturieren, aber nichts davon hat sich langfristig durchgesetzt. Zu funktionieren scheint Michaels System trotzdem, sonst wäre er nicht dort, wo er jetzt ist. Aus Michaels unkonventioneller Art, sich zu organisieren, leiten wir den ersten Hack ab.

HACK#1:
Ein System zu haben, um sich zu organisieren und seinen Arbeitsalltag in den Griff zu bekommen, ist unabdingbar. Dieses System muss allerdings nicht aus absoluter Ordnung und Micromanagement bestehen. Du musst dein eigenes System finden und solltest Angewohnheiten von anderen oder Ratschläge aus Seminaren und Büchern nicht blind übernehmen. Probiere verschiedene Methoden aus, halte aber nicht an diesen fest, falls sie für dich nicht optimal funktionieren. Wie unser Freund Albert Einstein schon sagte: „Ordnung braucht nur der Dumme, das Genie beherrscht das Chaos“.

Für Michael gibt es zwei Arten von Kollegen und Mitarbeitern. Diejenigen, die mit einem Problem zu einem kommen und diejenigen, die mit einem Problem und drei alternativen Lösungen auftauchen. Verraten hat er uns dies bei der Frage nach Eigenschaften von Mitarbeitern, die ihm positiv auffallen, bzw. die ihn stören. Besonders, wenn wir Vorgesetzte mit Problemen konfrontieren, sollten wir immer Lösungsansätze in petto haben. Ist dies nicht der Fall, wirkt es so, als wolle man das Problem abwälzen und sei nicht motiviert oder in der Lage dieses eigenständig zu lösen. Meiner Meinung nach geht es dabei auch um Respekt vor der Zeit des anderen, denn dieser muss dann seine Zeit aufwänden, um eine Lösung zu finden, was eigentlich nicht seine Aufgabe gewesen wäre.

HACK#2:
Wenn du ein Problem hast, welches du nicht alleine lösen kannst, solltest du deine/n Vorgesetzte/n erst konfrontieren, wenn du das Problem konkret beschreiben kannst und dir zusätzlich bereits Ansätze überlegt hast, wie man dieses lösen könnte. Achtung, es geht hier um Ansätze, nicht die Lösung des Problems. Ein Problem nicht alleine lösen zu können ist absolut normal, aber bevor du andere um Hilfe bittest, solltest du dir zuerst selber intensiv Gedanken über mögliche Lösungsansätze gemacht haben.

Eine Eigenschaft, die Michael besonders stört, ist Arroganz. Arroganz gegenüber Mitarbeitern, die eventuell Aufgaben in einer anderen Gehaltsklasse ausüben oder innerhalb der Firmenstruktur unter einem stehen. Durch diese Arroganz verliert man einerseits den Kontakt zu vielen Mitarbeitern, wodurch Potenziale durch Feedback dieser Mitarbeiter verloren gehen und andererseits macht man sich definitiv unbeliebt, was ein absolutes Hemmnis für eine erfolgreiche Karriere ist. Der dritte Hack aus unserem Gespräch hat demzufolge etwas mit Bodenständigkeit zu tun.

HACK#3:
Sei bodenständig und wertschätze jeden Mitarbeiter für seinen Beitrag am Unternehmenserfolg. So baust du dir gute Kontakte auf, schaffst ein positives Arbeitsumfeld und gewinnst Einblicke aus anderen Perspektiven, die häufig unglaubliche Optimierungspotenziale offenlegen. Der Maschinenbediener wird mit Sicherheit am besten wissen, wie man seinen Prozess optimieren kann. Wenn man sich ihm gegenüber allerdings arrogant verhält, wird dieses Wissen höchstwahrscheinlich im Verborgenen bleiben.

IN DER PAUSE:

In der Pause gab es ein paar Einblicke in das Buch „Wie man Freunde gewinnt. Die Kunst, beliebt und einflussreich zu werden“ von Dale Carnegie. Michael hat das Buch erwähnt und ich kann nur bestätigen, dass dieses Buch ein absolutes Muss für jeden ist, der eine Führungsposition einnehmen will. Meiner Meinung nach ist dieses Buch sogar ein Muss für jeden Menschen, der mit anderen Menschen zu tun hat…Dale Carnegie erklärt in diesem Buch ein paar einfach umzusetzende Grundregeln über den Umgang mit Menschen und wie man sich verhalten sollte, wenn man andere von seinen Ansichten überzeugen möchte. Als ich das erst mal von dem Buch gehört habe, musste ich wegen des Titels schmunzeln und war skeptisch. Heute schmunzle ich über meine eigene Arroganz, die ich diesem Buch anfangs entgegengebracht habe.

UMSETZUNG:

Abschließend gab es einen konkreten Umsetzungstipp, den uns Michael mit auf den Weg gegeben hat.

  1. Wenn du das Gefühl hast, dass die vor dir liegende Fülle an Aufgaben dich erschlägt, nimm dich fünf Minuten aus deinem Alltag raus. Atme tief durch und betrachte nicht mehr den riesigen Berg an Aufgaben, sondern mach dir eine Liste mit ganz konkreten kleinen Aufgaben und Schritten für die nächsten Tage. Zerbrich den großen Berg in kleine Brocken und sortiere diese so, dass du sie nacheinander abarbeiten kannst.

Das war die Zusammenfassung unseres Gespräches mit Dr. Michael Terhorst von Carcoustics. Ich hoffe, diese Episode hat dir gefallen. Ich würde mich sehr über Feedback freuen und bis zum nächsten Mal bei RocketEngineers.